Parfüm - der geheimnisvolle Verführer :

In Mesopotamien und Ägypten, vor mehr als 7000 Jahren wurden vermutlich die ersten Parfüms verwendet. Das heißt aromatische Öle, Salben und Räucherharze wurden zur Ehrung der Götter und Salbung der Toten eingesetzt. Aber in der Oberschicht der Ägypter waren Düfte
auch schon zur Körperpflege oder zur Therapie im Gebrauch.

Die Phönizier brachten die duftenden Essenzen auch nach Asien, Afrika und in den Mittelmeerraum.
Der Ausdruck »Chypre«, der noch heute in der Parfümbranche gebräuchlich ist, beweist, dass auch Zypern einst in der Duftkultur eine Rolle spielte. Die Erfindung der Destillation durch die Araber und Perser machte die Parfümherstellung wie wir sie heute kennen möglich.


Aromastoffe und Weihrauch wurden erst nur zu medizinischen oder heiligen Zwecken nach Europa
importiert. Venedig und Grasse in Frankreich entwickelten sich schließlich zu den wichtigsten Handelszentren für Riechstoffe. Nach der Aufklärung wurden Duftstoffe auch
in Europa immer begehrter.

Eau de Cologne

Die Hochzeit des jungen Kaufmanns Wilhelm Mülhens, Sohn des Schöffen Jacob Mülhens, in der Glockengasse zu Köln am 8. Oktober 1792 ist die Geburtsstunde von 4711 Echt Kölnisch Wasser. Ein Kartäusermönch überreichte dem jungen Ehepaar ein scheinbar schlichtes Geschenk.

Tatsächlich war es jedoch die wertvollste aller Gaben und beeinflusste die Zukunft der Familie Mülhens wie kein anderes Geschenk.Es war eine geheime Rezeptur zur Herstellung eines "aqua mirabilis", später Kölnisch Wasser genannt.

Wilhelm Mülhens erkannte sehr schnell den Wert dieser Rezeptur und begann bald darauf in der Glockengasse mit
dem Bau einer kleinen Manufaktur zur Herstellung des
"aqua mirabilis". Der Name "4711" wurde erst zwei
Generationen später eingeführt und war schlicht und ergreifend die Hausnummer des Firmensitzes in der Glockengasse.

Der Name "aqua mirabilis" - also Wunderwasser - sollte die vielfältige Wirkung des Duftwassers belegen,. Es wurde nicht nur zum Einreiben verwendet, sondern auch getrunken. Angeblich war es wirksam gegen Herzklopfen und Kopfschmerzen, wenn man es durch die Nase einschnupfte.
Als die französischen Revolutionstruppen das Rheinland besetzten, schickten die in Köln stationierten Soldaten das Produkt als Gruß oder Geschenk in die Heimat und nannten es "Eau de Cologne". Die daraus hervorgegangene "Übersetzung" hat sich bis heute als Produktbezeichnung erhalten. Als Arzneimittel durfte es nicht mehr vertrieben werden: Napoleon erlies ein Gesetz, wonach die Rezepturen von Arzneimitteln bekannt sein müssen und das wollten die Mülhens nicht.

Die genaue Zusammensetzung und Rezeptur von 4711 Echt Kölnisch Wasser unterliegt nach wie vor einer strengen Geheimhaltung. Bekannt sind nur die Hauptbestandteile von 4711 Echt Kölnisch Wasser: ätherische Öle von speziellen Zitrusfrüchten, und in geringen Anteilen gehören auch Rosmarin und Lavendel dazu. In reinem Alkohol (85 Vol.-Prozent) gelöst, muss die Mischung lange reifen, bis sie ihre einzigartige Wirkung entfalten kann.

Kunstaromen

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden die ersten synthetischen Duftstoffe aus Aldehyden hergestellt und Parfüms damit zum Massenprodukt. Dennoch blieb Parfüm
bis Mitte des 20. Jahrhunderts ein Luxusartikel. Ab 1910 begannen auch Modedesigner , Parfüms herzustellen, was bisher den Parfümeuren vorbehalten war. Chanel No.5 war
im Jahr 1920 der erste synthetische Duft.

Nach dem zweiten Weltkrieg ging es der Parfümindustrie nicht gut. Die Französische Parfümindustrie wurde immer mehr zum Geschäft der Modedesigner, während in Deutschland preiswertere Eaux hergestellt wurden. Seit den 60er Jahren gibt es bereits so viele Parfüms, dass nicht mehr der Duft über Erfolg oder Misserfolg einer neuen Kreation entscheidet, sondern nur noch das Marketing, das Branding eines neuen Duftes. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Ein Parfüm entsteht

Ein Parfum besteht aus pflanzlichen, tierischen aber auch chemischen Duftstoffen, die in Alkohol gelöst sind. Das Geheimnis der Mischung ist das Geheimnis des Parfumeurs. Ohne diese hervorragenden "Nasen", die im Hintergrund die Duftkreationen zaubern, gäbe es den edlen Luxusartikel nicht.

Neben Blütendüften wie Rosen, Lavendel, Jasmin oder Maiglöckchen verwendet der Parfumeur auch Gewürze wie Vanille, Thymian, Rosmarin, Kümmel, Ingwer....Der Orangenbaum ist ein wahres Eldorado für eine Parfumeur. Seine Blüten ergeben Neroliöl, aus Blättern und Zweigen gewinnt man Petigrainöl und die Fruchtschalen dienen zur Erzeugung von Orangenöl.

Um den Pflanzen ihre Duftstoffe zu entziehen, können ihre Blätter oder Blüten mit Wasser aufgekocht werden - die älteste und einfachste Methode. Um ein Parfum herzustellen, bei dem der Duft auch lange erhalten bleiben soll, ist der Aufguss nicht geeignet. Besser ist da schon die Destillation mit Wasserdampf. Hierbei wird das Material zerkleinert, der heiße Dampf durchdringt die Zellen, öffnet sie und die ätherischen Öle können austreten. Schonender als die Wasserdampfdestillation und daher bevorzugt bei hitzeempfindlicheren ätherischen Ölen angewandt, ist die Extraktion mit Lösungsmitteln. Diese müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllen, damit die Duftstoffe nicht zerstört oder verändert werden. Da mit dieser Extraktion neben den Duftstoffen auch Pflanzenwachse gelöst werden, bleibt nach dem Abdampfen des Lösungsmittels eine salbenartige Masse zurück: Die essence concrete. In einem weiteren Schritt werden die Pflanzenwachse mit Hilfe von Alkohol abgetrennt. Übrig bleibt der Duftstoff in seinem höchsten Reinheitsgrad: Die essence absolute.

Auch Duftstoffe aus dem Tierreich eignen sich für die Parfumherstellung: Ambra (Ausscheidung des Pottwals), Castoreum (Geschlechstsekret des Bibers), Moschus (Geschlechtssekret des Moschusochsen) und Zibet (Markierungssekret der Zibetkatze). Diese Duftstoffe riechen in ihrer Reinform alles andere als betörend. Und so wurden sie gewonnen: Ambra findet man schwimmend auf dem Meer.
Als Produkt des Walfangs wird es dem toten Tier entnommen, muss dann allerdings noch etwa ein Jahr im Meerwasser reifen, ehe man es zur Parfumherstellung verwenden kann.
Um die Geschlechtssekrete von Moschustier und Biber zu entnehmen, müssen die Tiere getötet werden.
Das Markierungssekret der Zibetkatze wird dem Tier lebend entnommen. Heute müssen die Tiere nicht mehr gequält oder getötet werden, weil die Duftstoffe mittlerweile auch im Chemielabor hergestellt werden können.

Genauso werden aber auch viele pflanzliche Duftstoffe synthetisch hergestellt : Vanillin- und Veilchenduft. Aber auch Rosenölaroma wäre für die meisten Anwendungen unerschwinglich. Um ein Kilo Rosenöl herzustellen werdend 5 Tonnen Blüten gebraucht. Ein solches Kilo Rosenöl kostet mehr als 5000 EUR. Ein weiterer unerlässlicher Bestandteil bei der Herstellung von Parfum sind die Aldehyde, chemische Verbindungen, die durch den teilweisen Wasserstoffentzug aus Alkoholen entstehen. Aldehyde können bei uns verschiedenste Geruchseindrücke hervorrufen, die natürlichen Düften nachempfunden sein können, aber auch Duftnoten erzielen, die mit natürlichen Riechstoffen nicht zu bilden sind.

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