Die Geschichte der Gerüche:

Der sakrale Ursprung

Bereits in den Kulturen der Vor- und Frühgeschichte hatten Düfte einen festen Platz im Leben der
Menschen. Durch das Verbrennen duftender
Substanzen glaubten zum Beispiel die alten
Griechen, über den aufsteigenden Rauch mit
ihren Göttern zu sprechen.

In der katholischen Kirche wird bis heute Weihrauch verbrannt. die Wurzel dieses Rituals ist vermutlich
auch hier Götterglaube. "Per fumum", lateinisch
"durch den Rauch", ist auch der Ursprung
des heutigen Worts "Parfüm".

Düfte im Wandel der Zeit

Eine fast schlagartige Veränderung in der Bewertung
und Funktion der Gerüche ergab sich mit den im Spätmittelalter aufkommenden Seuchen und Epidemien.
Auf der verzweifelten Suche nach Erklärungen für diese Krankheiten glaubten die Menschen jetzt plötzlich, dass schlechter Geruch Ansteckungsstoffe mit tödlicher Wirkung enthalte. So betrachteten sie auch die Pest als eine durch ihren schlechten Geruch übertragene Krankheit. Das drückt sich auch in dem Begriff "Pesthauch" aus.

Die Tradition des Gestanks

Aus Angst vor Ansteckung wuschen sich die Menschen nicht mehr. Sie hatten Angst, dass das Wasser die Poren frei macht für die angeblich verpestete Luft. Die Badehäuser, die im Mittelalter noch so beliebt waren, machten ihre Toren dicht. Statt mit Wasser reinigten
sich die Menschen mit sauberen Tüchern. Statt Seife nahmen sie Puder. Ohnehin stand strenger Geruch jahrhundertlang für Gesundheit und Erotik.
Selbst in der feinen Pariser Gesellschaft war Gestank durchaus erwünscht. Noch am Ende des 18. Jahrhunderts flehte Napoleon seine Geliebte an, sich vor seiner
Ankunft nicht zu waschen. Allzu starker Körpergeruch wurde allenfalls mit Parfüm überdeckt.

Andere Zeiten - andere Düfte

Ab dem ausgehenden Mittelalter glaubten die Menschen auch, dass es die Duftstoffe sind, die vor den Krankheitskeimen der verpesteten Luft schützen.
Die Düfte rochen deshalb sehr stark. Sie bestanden
häufig aus tierischen Duftstoffen. Einige Parfüms sollen sogar menschliche Fäkalien enthalten haben.
Aber all das hat sich im Laufe des 19. Jahrhunderts geändert. Neue Erkenntnisse in der Wissenschaft haben den Menschen vor Augen geführt, dass Krankheiten ihren Ursprung nicht in Gerüchen haben und allein durch Reinlichkeit besiegt werden können.

Ohne Hygiene wäre das Leben in der immer voller werdenden Stadt dann ohnehin nicht mehr möglich gewesen. Im 19. Jahrhundert verdrängte außerdem die Kanalisation einen Großteil des Gestanks unter
die Erde. Düfte wurden jetzt lediglich als dezente Untermalung des frischen, individuellen Geruchs verwendet. Die Bourgeoisie entdeckte Parfüm zudem
als Mittel der sozialen Abgrenzung gegenüber
den Armen. Geruch wurde gewissermaßen Symbol für den sozialen Status.

Unsere Einstellung zum Duft heute

Parfüm ist auch heute noch ein Luxusartikel, den sich allerdings fast jeder leisten kann. Die Toleranzschwelle für unangenehm empfundene Körpergerüche ist immer mehr gesunken. Starker Körpergeruch ist in jedem Fall verpönt. Für die Beduftung und Übertünchung eigener Körpergerüche steht heute ein riesiges Angebot an Deodorants oder Mundwässerchen zur Verfügung. Kein Wunder, dass die Parfümindustrie längst zu einem bedeutenden Wirtschaftszweig geworden ist.

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