Werden wir an der Nase herumgeführt?

Gerüche können also Empfindungen beeinflussen. Und obwohl die Wissenschaftler noch keine verlässlichen Aussagen machen können, ob und wie uns Gerüche emotional steuern, werden Gerüche bereits in der Werbung eingesetzt. Neben Bildern, Tönen und Musik , sollen seit einiger Zeit auch Gerüche den Menschen zum Kaufen anregen. Und schon gibt es auch in Deutschland die ersten Duftmarketingfirmen.

Die einen stellen Duftsäulen in Verkaufsräumen auf und lassen Kunden zum Beispiel eine Zitronenbrise um die Nase wehen - mit einer Konzentration knapp über der Wahrnehmungsgrenze. Andere schwören auf dezentere Beduftung und auf eine vorangegangene Reinigung der Luft. Sie arbeiten mit Duftkompositionen, die knapp unter der Wahrnehmungsschwelle liegen. Das funktioniert zum Beispiel, indem man Duftöle über die Klimaanlage verströmt.


Duftkino

Im Mai 2001 kam in München der weltweit erste funkgesteuerte Duftfilm "One day diet" ins Kino. Er wurde bildsynchron beduftet. Wenn im Bild ein Schokokuss auftauchte, wurde der Kinobesucher gleichzeitig mit einem Schokoladenduft betört. Und das ging so: Alle Besucher hatten einen "Sniffman" um den Hals hängen - ein Gerät, in das bis zu 32 Düfte eingespeichert werden können. Durch eine Timecode-Verkoppelung ist es möglich, die Düfte passend zum Bild abzugeben. Durch die Körperwärme steigt der Duft aus dem Gerät hoch zur Nase.
Im Moment ist der Duftfilm nicht zu sehen, aber weitere Duftkinoveranstaltungen sind geplant.

Wer mehr darüber wissen möchte, kann sich informieren über:

* www.ruetz.de
* e-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

Was riecht denn hier?

An Bäckereien, die herrlich nach frischen Backwaren riechen, obwohl die Brötchen mit dem Lieferwagen kommen, hat man sich bereits gewöhnt. Dass jedoch nun auch Kaufhäuser ganz dezent und kaum riechbar den Verbraucher an der Nase herumführen ist ein neuerer Trend . Sogenannte Mood- und Environ-Aromen sollen stimulieren, entspannen, aber auch Aufmerksamkeit fördern, nicht zuletzt natürlich auch Vertrauen einflössen. So entwerfen Duftfirmen Karibikgerüche für Reisebüros und Düfte namens "Meeresbriese" für Herrenausstatter; Tankstellen duften nach Kaffee - das soll eine besser Verkaufsatmosphäre schaffen als Benzingeruch. Auch Innenausstatter lassen sich heute von Duftfirmen beraten. Angeblich sollen die Verkaufszahlen durch die richtige Beduftung um bis zu 6 % steigen.

(Studie => Prof. Dr. Anja Stöhr: Air-Design als Erfolgsfaktor im Handel, Wiesbaden 1998. In Zusammenarbeit mit dem Institut für Konsum u. Verhaltensforschung , Saarbrücken)

Bewiesen ist das alles nicht und seriöse Forscher warnen vor allzu großen Versprechungen und Erwartungen. Denn Düfte können vielleicht beeinflussen, nicht aber manipulieren; sie können höchsten unterstützend wirken, einen Menschen aber niemals zu Handlungen verleiten, die er eigentlich nicht vorhatte. Raumbeduftung kann eine gute Sache sein, wenn sie so dezent ist, dass man sie nicht wahrnimmt. Wenn der richtige Duft im richtigen Moment auf einen Menschen trifft, kann er sich in so einem Raum entspannter fühlen und hält sich vielleicht auch länger darin auf - und vielleicht gibt er dann in der Tat sogar mehr Geld aus, als ohne Duft.

Verbraucherschützer warnen allerdings vor Allergien, die durch Düfte ausgelöst werden könnten. Zumal immer mehr Menschen unter der sogenannte MCS (Multi chemical sensitivness- Multichemische Allergie) leiden und in vielen Duftstoffen (synthetischen aber auch natürlichen Aromen) allergieauslösende Substanzen stecken können. Duftforscher halten diesen Bedenken entgegen, dass die Konzentrationen zu gering seien, um eine Allergie auszulösen. Bis heute gibt es keine offizielle Stellungnahme des Verbraucherschutzes bzw. einen Verbotsantrag.

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